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Martin Bartonitz Dr. Martin Bartonitz

BPMS, BPML, BPEL, BPMN, WMS, XPDL, ?

Die unüberschaubare Menge an Akronymen und Begriffen macht es schwer, sich in der Welt des Business Process Management zu orientieren. Mit seinem Artikel bringt Dr. Bartonitz Licht ins Dunkel.
Aktuelle Forsetzung dieses Artikels (11/2006): Wachsen die BPM- und Workflow-Lager zusammen?

1 Einleitung

Wer in den letzten 2 Jahren als Neuling versucht hat, sich dem neuen Hype BPM zu nähern, hatte und hat sich auch heute noch durch eine Menge konkurrierender Akronyme, Begriffe und Organisationen, die sich um Standards kümmern, zu wühlen. Und noch schwerer fällt es ihm vermutlich dann, sich für einen der Standards zur technischen Beschreibung von Geschäftsprozessen sowie für eins der Produkte zum Ausführen derselben zu entscheiden. Dieser Artikel soll ein wenig Licht ins Dunkel bringen und zeigt auf, dass es zumindest für den deutschen Mittelstand noch etwas Zeit hat, sich mit den Standards auseinander zu setzen.
Hinweis: wer jetzt beim Lesen der Akronyme seine Mühe hat, was ich den besagten Neulingen wirklich nicht übel nehmen kann, für den empfehle ich, den letzten Teil, das Glossar, daneben zu legen. Der Hinweis gilt zum Glück nur für die Einleitung!

Abbildung 1: Model -> Automate -> Monitor -> Analyze -> Improve und das Ganze wieder von vorn.
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Abbildung 1: Model -> Automate -> Monitor -> Analyze -> Improve und das Ganze wieder von vorn.
Manch Einer wird sich leise gedacht haben: ?Und? Gab es denn da nicht schon früher einmal diesen WMS-Hype? Getrieben von der WfMC? Die sich dann der AIIM angegliedert hat, mit WMS als Teil von ECM oder war es DRT? Ach ja, das WMS Thema hatte sich mit dem Niedergang des ihn unterstützenden Hypes, dem BPR von M. Hammer sowie einiger fehlgelaufener Großprojekte Ende der 90er beruhigt. Oder??

Naja, halbwegs. Im öffentlichen Dienst geht schon etwas mehr, hier spricht man jetzt "unverfänglicher" von Vorgangsbearbeitung nach DOMEA-Art, da man hier, so scheint es, Workflow nicht mehr in "den Mund nehmen" darf.

Und dann schwappte mit der Internet-Welle dieser neue BPM-Hype hoch. Und wieder mag man sich fragen: ?Ist das denn nicht wie immer alter Wein in neuen Schläuchen? Nur das jetzt noch zusätzlich viele weitere, schöne Akronyme hinzukommen.? Jetzt sollen nach Meinung der BPMI von den Organisatoren die Geschäftsprozesse in BPMN-Diagrammen modelliert werden, nicht mehr in den EPKs oder Petri-Netzen oder ...

Und weil diese Diagramme viel verständlicher sind als die Aktivitäten-Diagramme der UML, die von der OMG als Standard für die Software-Architekten zur Spezifikation der zu entwickelnden Anwendungen ausgedacht wurden, sollen sie diese gleich ersetzen oder zumindest ergänzen. Jedenfalls wird derzeit fleißig zertifiziert.

Die BPMN fähigen Design-Programme spucken dann eine Datei im Format BPML, einem XML- Derivat, aus. Vergleichbar mit dem XPDL-Format der WfMC, das selbst wiederum mit dem Protokoll Wf-XML per Web Service den Weg in die jeweiligen Process Engine finden soll. Und schon haben wir den Salat. Auf welches Format sollen sich denn nun diese Prozessautomaten einlassen?

Aber nicht genug! Konkurieren will auch die OASIS mit der BPEL4WS. Nur dass hier die Macht der B2B und EAI Anbieter im Umfeld der Application Server von J2EE und .NET dahinter steht. Wollen die IBMs, Microsofts, SAPs, Oracles, BEA, ... doch auch ihre Web Services ordentlich dirigieren, oder war es orchestrieren, damit die zu unterstützenden Geschäftsprozesse über die Konzerngrenzen hinweg wuppen.

Zuvor müssen sie natürlich per WS-CPL (oder PBSS??) bzgl. ihres Nachrichenaustausches auch noch ordentlich choreographiert werden. Und damit man die Web Services, die ja kleinen Funktionsbausteinen der monolithischen ERPs entsprechen, auch ordentlich nach ihren Schnittstellen befragen kann, gibt es da auch noch die WSDL. Zuvor kann man die Services per UDDI noch lokalisieren. Und wenn man dann mit ihnen spricht, geht es per SOAP. Und dieses ganze Architekturkonzept nennt sich dann SOA.

Müssen wir uns das denn wirklich alles antun? Man kann da schnell mit Nina Hagen fühlen: ?Es ist alles so schön bunt hier.?

2 Was hat nun der Kunde vom neuen BPM?

Nun wird ja nichts aus reinem Selbstzweck entwickelt, wenn auch manches sehr akademisch und abgehoben wirkt. Folgt man den Versprechungen sowohl der Berater als auch der Hersteller, so sollen mit BPM vorrangig die gleichen Ziele wie damals beim Workflow Management erreicht werden:

Was das Herz der Manager des operativen Geschäfts höher hüpfen lässt: die Prozesse laufen schneller, einfacher weil effizienter, und natürlich völlig nachvollziehbar und kontrollierbar, und letzteres am Besten noch dynamisch änderbar zur Laufzeit. Aber auch das Herz der Heerscharen der Systemen-Administratoren wird nicht vernachlässigt: die Beherrschung der Vielzahl der Systeme, die sich in den großen Unternehmen angesammelt haben, ist mit sehr viel weniger Aufwand zu bändigen.

Laut Gartner und Ovum und all den anderen Propheten ist mit BPM erstmals ein unschlagbarer ROI zu erreichen. Also ein riesen Potential. Die BPMS sollen bis 2008 völlig ausgereift sein und der erwartete weltweite BPM-Umsatz von heute etwa 1-2 Millarden $, soll bis dahin auf 6-8 Millarden $ angewachsen sein (gemittelter Wert über Aussagen der führenden Beratungshäuser).

Und nicht nur wegen der Technik, sondern auch wegen der neuen hinter BPM stehenden Methode profitiert der Kunde nun: die Prozesse durchlaufen einen Regelkreislauf, so dass die Geschäftsprozesse einer kontinuierlichen Verbesserung unterliegen.

Moment mal. Hatten wir das nicht auch schon von den Herstellern der Workflow Management Systeme gehört? (-> Anmerkung vom Autor: "Ich selbst hatte schon seit 1994 immer eine solche Folie auf den einschlägigen WMS-Kongressen gezeigt."). Und siehe da, die WMS-Hersteller bieten nun ihre alte Ware mit einem neuen Label an. Jetzt sind hier BPM Suiten zu finden. Oder kann die Software jetzt doch mehr? Übrigens heißen die "Alten" in Gartners Magic Quadrant heute "Pure- Play BPMS". Vermutlich, weil sie doch nur ein Teil der Gesamtheit eines BPMS sind?

3 Neuer Wein in alten Schläuchen?

Was sollte der Kunde heute bekommen, wenn er ein BPMS "anstelle eines WMS" kauft?

Das Modellierungs-Tool besitzt nun eine Vorstufe, mit dem die Geschäftsprozesse aus Sicht der Firmenstrategie vollständig entwickelt werden können. Es wird auf einem weniger technischen Level von einem Organisator benutzt werden. Das erinnert an IDS Scheer mit seinem ARIS Toolset oder anderen Varianten. Anschließend werden die Modelle durch die Engineers in die technischen Modelle überführt (gleiches Tool oder anderes?). Neu sind hier die Modellierwerkzeuge zur Definition von Prozessmetriken, die später für das Monitoring und Controlling wichtig sind, sowie für die Dashboards, den Benutzeroberflächen für die Überwachung der Prozesse. Hier heißt es dann für BPM auch Business Performance Management oder es gibt auch das BAM für Business Acitivity Management. Einen Hinweis für die Notwendigkeit von Metriken hat auch schon Sir Lord Kelvin gegeben:

"Was ich messen kann, kann ich auch steuern."

(Originalton: ?What you can measure what you are speaking about and express it in numbers, you know something about it.? Lecture to the Institute of Civil Engineers, 3 May 1883)

Und was es in den 90ern für die WMS noch nicht ernsthaft zu tun gab, war die Einbindung von Web Services in die Prozesse. Diese Technologie ist eines, das z.T. immer noch nicht von den Al
(Kompletter Text nur für Netzwerk-Mitglieder)



Veröffentlicht von Dr. Martin Bartonitz bei BPM-Netzwerk.de am 16. June 2005

Mein BPM-Statement:

Das Denken in Geschäftsprozessen schärft die Wahrnehmung. Erst wenn wir etwas aufschreiben können, haben wir es selbst verstanden und können feststellen, ob unser Gesprächspartner es genauso versteht. <br><br> BPM ist ein Werkzeug. Den Gebrauch muss und kann man erlernen. <br><br> Wenn das Werkzeug nicht geeignet ist, sollte man es anpassen oder nicht verwenden. Das Werkzeug ist kein Selbstzweck.

Prof. Dr. Armin Fricke, CGC Capital-Gain Consultants GmbH, Mitglied seit 21. June 2011
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