Die aktuelle Diskussion um die Verzahnung von BPM und SOA erinnert mich an das Modell des Schweinezyklus, das ich während meines Studiums der Wirtschaftsinformatik verinnerlichen durfte:
Dem Modell zufolge findet die Preisbildung für Schweine als Wechselspiel zwischen übermäßigen Investitionen (steigendes Angebot, das zu fallenden Preisen führt) und übermäßigen Desinvestitionen (sinkende Produktionskapazitäten, die zu steigender Nachfrage führen) statt. Da sich die Angebots- und Nachfrageseite durch Versuch und Irrtum einander nähern und am Ende ein Preis zustande kommt, der keine Erwartungen mehr enttäuscht, gleicht der Zyklus einem Pendel, das immer schwächer ausschlägt und irgendwann zur Ruhe kommt.
Zwar gilt dieses Modell in den Wirtschaftswissenschaften inzwischen als teilweise überholt (siehe auch das nicht weniger unterhaltsame “Saure-Gurken-Problem”). Das Prinzip des Einpendelns lässt sich jedoch in ähnlicher Form vorrangig in solchen Märkten beobachten, die von Visionen, Erwartungen, Enttäuschungen und Skeptizismus geprägt sind.
In der letzten Zeit wurden wir mit der Vision ausgestattet, dass uns BPM in Kombination mit SOA in die Lage versetzen wird, auf der Business-Ebene Prozesse zu gestalten, und diese auf Knopfdruck in der IT abbilden (ausführen, automatisieren), überwachen und steuern zu können. Dank nicht-proprietärer Methoden wie BPMN und BPEL sollte diese Vision Vendor-unabhängig funktionieren. Es entstand die Erwartung, dass wir in Kürze mit den entsprechenden Tools versorgt werden, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Und tatsächlich, es traten Hersteller auf den Plan, die (zumindest im Marketing-Material) glaubhaft versicherten, die entsprechende Lösung anbieten zu können. Jedoch führten die ersten Praxisprojekte zu Enttäuschungen, die sich u.a. auf Defizite in der Organisation, in der Kompetenz, aber natürlich auch in den Tools zurückführen lassen. Im Ergebnis hat das gebrannte Kind natürlich Angst vorm Feuer, und die Skepsis ist emotional verankert.
Auf den ersten Blick stellt sich jetzt eine einfache Kernfrage: Ist die Vision in der Sache verfehlt, oder existiere