Die Fortsetzung der erfolgreichen Artikel "Wachsen die BPM-Lager zusammen" und "BPMS, BPML, BPEL, BPMN, WMS, XPDL, ? alles so schön bunt hier": Eine aktuelle Bestandsaufnahme der Standards, Trends und Initiativen rund um BPM.
Zu Beginn des 2. Jahrtausends wird auf dem Markt der Begriff Business Process Management, kurz BPM im Deutschen GPM für Geschäftsprozessmanagement, bewegt. Besonders die Hersteller von Workflow Management Systemen der 1990er Jahre waren schnell dabei, ihre Produkte mit Bezeichnungen wie BPM System, - Suite oder - Platform umzulabeln [Moser]. Versuchte man jedoch den Begriff zu fassen, d.h. Definitionen zu finden, wurde es schnell undurchsichtig und häufig wage. Im Gegensatz zum Begriff des Enterprise Content Management, kurz ECM [NewsKff], der seit etwa 1999 anerkannterweise durch die AIIM umfassend definiert wurde, gibt es bis heute keine Organisation, deren Definition als allgemein anerkannt gelten konnte. Die früheste Nennung von BPM im Internet ist in einer Nachricht zum Geschäftsbericht der Firma EDS im Jahr 1997 zu finden[EDS].
Das Organisieren und Optimieren von Prozessen ist eine uralte Aufgabe und bewegt uns, seit es den Handel gibt. Aber soweit wollen wir nicht zurückblicken. Ein wichtiger zu nennender Standard für Prozessverbesserungen ist sicherlich die international anerkannte ISO Norm 9000, deren Vorgänger 8402 im Jahr 1994 veröffentlicht wurde. Die letzten Änderungen wurde in 2008 durchgeführt, weshalb die richtige Bezeichnung ISO 9000:2008 ist. Im Prinzip geht es um eine Normenreihe, der ISO 9000ff. Der Blickwinkel hier ist das des Qualitätsmanagements, möglichst fehlerfrei in eher technischen Prozessen zu arbeiten. Zu nutzende Methoden sind Six Sigma (etwa 1985), Total Quality Management (TQM) , Kaizen (Kontinuierliche Prozessverbesserung - KVP) oder Lean Management[Wiki1]. Die Anwendung dieser Norm ist verstärkt in Produktionsprozessen, d.h. eher in der fertigenden Industrie als in typischen Büroprozessen anzutreffen.
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| Abbildung 1: geschichtliche Entwicklung relevanter technischer Standards im BPM |
Quasi zeitgleich hat sich 1993 die Workflow Management Coalition - kurz WfMC - mit dem Ziel gegründet, Standardisierungen für Systeme zu spezifizieren, die vorrangig Arbeitsschritte im Büro automatisiert unterstützen sollten. Neben einer Referenzarchitektur aus dem Jahr 1995 ist hier als wichtiger Standard die Prozessausführungssprache XPDL hervorgegangen. Es wird zwar definiert, was ein Workflow ist, aber das Geschäftsprozessmanagement ist ausgespart worden, sprich Methoden waren kein Thema (www.wfmc.org).
Methodisch brachte Michael Hammer mit seinem Business Process Re-Engineering in Deutsch etwa Geschäftsprozessgestaltung - in den 1990er Jahren neuen Wind. Allerdings ging mit Ausgang des letzten Jahrtausends auch sein Stern fast unter: die von ihm entwickelte Methode eignet sich im Wesentlichen für Firmen, die schon am Boden liegen, während gesunde Firmen eher unter der Methode gelitten haben [GPMiP]. Dennoch gehört die Methode zum Lernumfang eines PBM Experten, wie wir später noch sehen werden.
Mit dem Jahrtausendwechsel taucht dann vermehrt der Begriff Business Process Management auf, im deutschen Sprachraum als Geschäftsprozessmanagement bewegt. Auch wenn es viele Definitionsquellen gibt, so ist allen gemein: unterm Strich bringt BPM das technische Workflow-Management wieder mit den Methodenideen zum kontinuierlichen Prozessverbessern aus dem Blickwinkel des Qualitätsmanagements zusammen. Als besonderer Treiber ist der Marktbildner Gartner auszumachen, der seine Magic Quadrants in 2004 zum ersten Mal auch für BPMS erweiterte. Zwar gibt es von Gartner eine grobe Definition, welche aber aufgrund einer einzelnen Unternehmung nicht als allgemeingültig anerkannt werden kann. Dennoch soll hier nicht auf ihren Chart zur Beurteilung des BPM-Reifegrads einer Firma verzichtet werden [Gartner1]:
(Kompletter Text nur für Netzwerk-Mitglieder)
Veröffentlicht von
Dr. Martin Bartonitz
bei BPM-Netzwerk.de am 27. January 2010