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Horst Ellringmann Horst Ellringmann

Ein Vorschlag für mehr Präzision und Systematik

Ich lese immer wieder Fachartikel, in denen die Historie des Geschäftsprozessmanagements falsch dargestellt wird. Beispielsweise lese ich, das GPM sei auf Hammer und Champy zurückzuführen. Auch stört mich die in Fachartikeln und Fachbüchern zu Managementthemen herrschende Sprachverwirrung.
Das Konzept Geschäftsprozessmanagement basiert auf den schon 1934 veröffentlichten Erkenntnissen von F. Nordsieck (1) und E. Kosiol. 1972 stellten H. Ulrich und W. Krieg ihr St. Galler Managementmodell vor, das heute als der entscheidende Schritt von der herkömmlichen Betriebswirtschaftslehre zur ganzheitlichen Managementlehre angesehen wird. 1983 wurde das Prozessmanagement als theoretisches betriebswirtschaftliches Organisationskonzept erstmals ausführlich von M. Gaitanides beschrieben (2). 2001 veröffentlichten Schmelzer und Sesselmann bei Hanser ihr praxisnahes Anwendungskonzept zum Geschäftsprozessmanagement (3). Es folgten über 60 weitere Fachbücher zum GPM. Herausragend sind „Praxishandbuch Prozessmanagement“, G. Fischermanns, G. Schmidt, 1. Auflage 2006; „Marktorientiertes Prozessmanagement“, J. Feldmayer / W. Seidenschwarz, Vahlen, 2005; und „Geschäftsprozessmanagement umsetzen“, J. Walter, Hanser, 2009. Im Jahr 2002 erschien „Das neue St. Galler Managementkonzept“, J. Rüegg-Stürm, Haupt. Hier wird ein auf dem alten St. Galler Managementmodell basierendes Organisationsmodell beschrieben, in dessen Nucleus die Geschäftsprozesse bzw. das Geschäftsprozessmanagement stehen. Viele der hier genannten Personen waren Mitglieder der 1922 gegründeten Gesellschaft für Organisation e. V. oder standen ihr nahe. Das Konzept Geschäftsprozessmanagement ist also in Deutschland erfunden und weiterentwickelt worden.

Parallel zur Entwicklung des Geschäftsprozessmanagements wurde in den USA an MIT und Harvard das Business Process Reengineering entwickelt und 1993 von Hammer und Champy veröffentlicht. Das BPR-Konzept besteht aus der Fokussierung auf Prozesse, einer starken Kundenorientierung und dem Einsatz der Informationstechnologie. „Aufgrund des starken Praxisbezugs und der geringen wissenschaftlichen Fundierung ist das BPR als Organisationsmode einzuordnen, die aber das Kernelement der Prozessorientierung für die wissenschaftliche Theorie hervorgebracht hat (vgl. Gaitanides 1998).“ Das BPR gehört also nicht in die Entwicklungslinie des Geschäftsprozessmanagements. Man muss es auch nicht für die Prozessoptimierung bemühen, denn diese ist im Konzept Geschäftsprozessmanagement umfassend beschrieben.

Anfang der 90er Jahre erschienen die ersten Softwareangebote für das Geschäftsprozessmanagement. Das waren in der Regel Tools für die Prozessmodellierung. Mitte der 90er Jahre wurden Workflow-Software Lösungen eingeführt, die auf Workflow-Engines und Geschäftsregeln basierten.

Meines Erachtens bleiben die Softwarelösungen bis heute weit hinter den geweckten Erwartungen zurück, aber vielleicht ändert sich das ja noch. Derzeit werden in Deutschland über 40 GPM-Tools angeboten (vgl. BPM-Netzwerk.de).

Die International Standard Organisation (ISO) hat zur Entwicklung des Geschäftsprozessmanagements nichts beigetragen. Sie hat aber die Anwendung des GPM gefördert, indem sie es seit 2000 zur Voraussetzung für eine Zertifizierung nach ISO 9001 machte.

Ein Lösungsvorschlag

Dass in Fachartikeln und Fachbüchern zu Managementthemen Begriffsverwirrung herrscht, wird so schnell wohl nicht zu ändern sein. Innerhalb eines Unternehmens aber sollte eine klar definierte Begriffshierarchie existieren. Wie sonst sollen Fach- und Führungskräfte wissen was gemeint ist, wenn beispielsweise von einem Managementmodell die Rede ist. Sind Geschäftsprozessmanagement, Beyond Budgeting und Lean Management auf einer Ebene liegende Konzepte oder nicht? Gehört auch Six Sigma auf diese Ebene oder muss ich Six Sigma als Methode i
(Kompletter Text nur für Netzwerk-Mitglieder)



Veröffentlicht von Horst Ellringmann bei BPM-Netzwerk.de am 06. February 2010

Mein BPM-Statement:

Arbeitsanweisungen, Regelungen, Verfügungen, Gesetze, Verordnungen usw. werden in natursprachlicher wie mehrdeutiger Form dargestellt. Die grafisch-logische Modellierung dieser Texte wird zum Ausgangspunkt deutigerer Darstellungen und dem anzustrebenden Übergang in Programmiersprache. Dies unterstellt die Analyse und Einbeziehung des Wechselverhältnisses von prozessualer Ablauf- und hierarchischer Aufbaustruktur (Ontologie). Der zukünftige BPM-Erfolg wird hier eine hohe Abhängigkeit aufweisen. Das Modellieren wird sich mehr und mehr in deutigere Textmodellierung durch grafisch-logische Darstellungen wandeln und so qualitative Grundlagen für Softwareentwicklungen bieten.

Paul Rieckmann, Hanseatisches Denk Contor GbR, Mitglied seit 02. June 2008
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